Kultur  » KinoTheke » Filme Turmvilla e.V. » "Die Gewalt geht vom Gelde aus"


„DIE GEWALT GEHT VOM GELDE AUS“

Sa 16.5.  15 und 22 Uhr
                 Die Turmvilla präsentiert:

PREMIERE des neuen Films der Turmvilla von Arielle Kohlschmidt und René Beder

(13.5.09  um 19.30 Uhr  Voraufführung im Sorbischen Kulturzentrum Schleife)
Der Film dokumentiert die Zeit eines Dorfes zwischen Bagger und Kohle. Wir sehen die politischen und wirtschaftlichen Zusammenhänge in unserer Region.

Und wir sehen den traurigsten Bürgermeister der Welt am Tag, an dem das Ende seines Dorfes besiegelt und gefeiert wird. Wir sehen die Unerbittlichkeit des Getriebes, in dem wir stecken und das bisschen Hoffnung das uns vielleicht bleibt, wenn alles vorbei scheint. Wer die Energie hat, hat die Macht. Wer sie nicht hat, bei dem bleibt´s Nacht. Neue Geschichten von Umsiedlern aus der Lausitz, dem Kirchspiel Schleife, der Weltverschwörung und den Sorben.  Unglaublich, aber wahr!

Eintritt 4,50 €


Flash ist Pflicht!
Trailer "Die Gewalt geht vom Gelde aus"

Pressemeldungen

Peter Rossa, Arielle Kohlschmidt, Rene Beder (v.l.)
René Beder mit Zuschauern im Gespräch.
Lothar Bienst: Fraktionsvorsitzender der CDU im Kreistag Görlitz und P.Rossa
R.Beder u. Herr Zech: "Bürgerbüro Trebendorf" - Bearbeiter Bergbau Trebendorf
Gäste

Geteilte Meinung zum Film in Schleife

Lausitzer Rundschau 15.05.2009
Schleife

Richtige Kinoatmosphäre war am Mittwochabend im Saal des Sorbischen Kulturzentrums Schleife angesagt. Zahlreiche Zuschauer waren gekommen, um sich die Vorpremiere des Dokufilms „Die Gewalt geht vom Gelde aus“ anzusehen.

Nach dem Streifen „Männerstadt im Neißetal“ präsentierten die beiden Dokumentarfilmer René Beder und Arielle Kohlschmidt den Film „Die Gewalt geht vom Gelde aus“ (RUNDSCHAU berichtete). Zahlreiche Protagonisten waren gespannt auf den Film. Aber auch andere interessierte Besucher - wie Thomas Schwarz aus Schleife - wollten sich den Streifen unbedingt ansehen. „Ich interessiere mich sehr für dieses heikle Thema Kohle, Dörfer, Umsiedlung und freue mich, dass jetzt auch ein Film darüber gedreht wurde, der beide Seiten beleuchtet“, so Schwarz. Auch Jens Kreisel aus Rohne war gekommen. „Ich engagiere mich in der Bürgerinitiative. Es ist ein sehr schwieriges Thema, mit dem sich die Dokumentarfilmer beschäftigten. Ich finde den Film sehr gelungen.“

Wie Peter Rossa, Geschäftsführer des soziokulturellem Zentrums Turmvilla Bad Muskau, betonte, sei gerade der Film eine sehr gute Möglichkeit um solch ein Thema öffentlich zu machen. „Keine Ausstellung oder andere Veranstaltungen sind dafür so geeignet wie ein Film, der eine breite Masse erreicht. Ich finde, der Film ist hervorragend gelungen“, so Rossa.

Michael Krenz aus Weißwasser gehörte ebenfalls zu den Besuchern der Vorpremiere. „Ich gehöre zwar auch zu den Protagonisten, will mich heute aber erst einmal überraschen, ob ich überhaupt im Streifen zu sehen bin.“ Mit einem Interview „verewigt“ wurde im Film Pfarrer Steffen Huth. Gespannt war auf den Dokumentarfilm auch Lothar Bienst. „Ich bin gespannt, wie mit diesem heiklen Thema in einem Film umgegangen wird, es ist ja schließlich eine Art Gradwanderung.“

Neben positiven Stimmen gab es aber auch kritische. Die Bilder und ihre Botschaft wurden in kleinen Gruppen noch heftig diskutiert. Wie die RUNDSCHAU erfuhr, waren vor allem Sorben vom Gezeigten sehr bewegt und auch verletzt. Sie hätten nicht erwartet, dass ihre Brauchtumspflege in diesen speziellen Kontext gestellt wird.

Schon vor Beginn hatte sich Filmer René Beder für die Unterstützung während der Filmarbeiten bedankt. „Danke für das schöne Jahr. Ich habe am Anfang nicht geahnt, wie tief mich die Arbeit an diesem Streifen berühren wird. Wir haben sehr viel schöne Sachen erlebt, so beispielsweise die Geschichte der Familie Hottas oder das Gespräch mit dem Schulleiter der Mittelschule Schleife. Allen Mitwirkenden und Helfern ein herzliches Dankeschön.“

Im Rahmen des Neiße-Filmfestes erfolgt die Premiere am 16. Mai um 15 und 22 Uhr im Deli-Theater Bad Muskau.

Von André Kurtas und Regina Weiß


Mit dem Film "Die Gewalt geht vom Gelde aus" werden Klischees bedient

Lausitzer Rundschau Weißwasser 19.05.2009

Zum Film „Die Gewalt geht vom Gelde aus“, vorgestellt im Rahmen des Neiße-Filmfestivals am Mittwoch, dem 13. Mai, im Sorbischen Kulturzentrum Schleife und Samstag, dem 16. Mai, in Bad Muskau, schreibt Manfred Hermasch, Regionalsprecher Domowina.

Vorweg: Die zum Nachdenken anregenden Texte über den gegenwärtigen Zustand unserer Gesellschaft, mit denen der Film unterlegt ist, wären an sich ein guter Ausgangspunkt für eine fundierte Bestandsaufnahme der Lage der vom Braunkohletagebau Nochten betroffenen Orte. Leider aber dokumentiert dieser „Dokumentarfilm“ vor allem die Vorurteile der Filmemacher gegenüber der großen Mehrheit der Menschen im Schleifer Kirchspiel, die als obrigkeitshörige, käufliche Knechte eines Großkonzerns verunglimpft werden. Ganz abgesehen von der streckenweise dilettantischen Kameraführung und schlechten Tonqualität, die das Kinoerlebnis beeinträchtigen, nervt die Mischung aus Unwissen und Einseitigkeit der Filmproduzenten.
Nichts erfährt der Zuschauer beispielsweise über die durch harte Verhandlungen ermöglichte von Vattenfall finanzierte Stiftungen, die jahrzehntelang unsere Vereine bei der Pflege von Gemeinschaft und selbstverständlich auch sorbischer Kultur unterstützen werden. Der Film bedient leider abgegriffene Klischees mancher Städter bezüglich dörflichen Lebens und wird daher der komplexen gesellschaftlichen, sozialen und ökonomischen Wirklichkeit im vom Braunkohletagebau betroffenen sorbischen Siedlungsgebiet nicht gerecht.


„Abraum oder Charakter“ - Sag mir, wo du mitsingst: Das 6. Neiße-Filmfestival im Dreiländereck

Junge Welt 19.05.2009 / Feuilleton / Seite 12

Von F.-B. Habel

Es gab zu wenig Reklame«, sagte der Kinokassierer im böhmischen Jablonec hinter vorgehaltener Hand entschuldigend zu den deutschen Gästen des Neiße-Filmfestivals. Der Mittsiebziger schien froh, sein vor 1945 im damaligen Gablonz erlerntes Deutsch wieder einmal anwenden zu können. Das eher spärliche Publikum begrüßte den aus Hamburg angereisten Regisseur Jan Georg Schütte nichtsdestotrotz herzlich und mit Interesse. Der langjährige Schauspieler stellte seinen zweiten Spielfilm »Die Glücklichen« vor. Die entfernt an Gorkis »Sommergäste« erinnernde Geschichte um alte Freundespaare von Anfang 40 war nach gründlicher Vorbereitung innerhalb von nur drei Drehtagen, aber mit sechs Kameraleuten gedreht worden. Das Jablonecer Publikum fühlte sich besonders von der Bildsprache des Films angeregt, während bei der anschließenden Vorführung in Zittau das Improvisationstalent der Schauspieler hervorgehoben wurde.

Fünf Tage lang wirkte das 6. Neiße-Filmfestival grenzübergreifend in tschechischen, polnischen und deutschen Städten. Die rührigen Festivalmacher um Andreas Friedrich und Heiko Fischer arbeiten zum großen Teil ehrenamtlich. Viele nahmen Urlaub, um für einen reibungslosen Ablauf zu sorgen. Nicht immer dankte das Publikum im Dreiländereck die Mühe. Während sich in Großhennersdorf viel junges Publikum einfand, stagnierten am Hauptspielort Zittau die Besucherzahlen. Nicht einmal DDR-Star Herbert Köfer vermochte für ein volles Haus zu sorgen.

Das Wettbewerbsprogramm lieferte einen guten Eindruck des Filmschaffens der drei beteiligten Länder. Episodenfilme dominierten das Programm. »Was wenn der Tod uns scheidet?« von Ulrike Grote war besonders bewegend, weil die gerade verstorbene Monica Bleibtreu hier als demente Greisin brilliert. Sie gibt dem tragischen Stoff durch ihre Ausdruckskraft eine heitere, lebensbejahende Note.

Von den polnischen Beiträgen ist der Autorenfilm »Absolute Beginner« hervorzuheben. Piotr Szczepanski, der auch für Kamera und Schnitt verantwortlich zeichnet, begleitet einen jungen Mann durch die Nacht in Lodz.

Ähnlich wurde in »Nachteulen« ein Stück Prager Alltag erlebbar. Die internationale Jury, der auch DEFA-Regisseur Rainer Simon angehörte, verlieh der Regisseurin Michaela Pavlátová für ihre Geschichte um die junge Ofka, die nur zögernd ins Leben tritt, am Sonntag den Hauptpreis des Festivals.

Der Publikumspreis ging an die polnisch-tschechische Koproduktion »Die Brüder Karamasow«. Eine Prager Theatertruppe reist nach Nowa Huta, um den Dostojewski-Stoff in einer Werkhalle auf die Bühne zu bringen. Spiel und Wirklichkeit vermischen sich auf manchmal allzu gewollte Weise.

Im Rahmenprogramm des Festivals stellte Volker Koepp seine Wende- und Nachwende-Filme vor. Politiker diskutierten anhand der Dokumentation »Der Anfang vom Ende« die gefälschten Kommunalwahlen der DDR vom Mai 1989. Während Stefan Hilsberg (SPD) treffende Überlegungen zur Scheinwelt anstellte, die mit den Fälschungen aufrechterhalten werden sollte, gab Sachsens Exinnenminister Heinz Eggert (CDU) einmal mehr den Hardliner, schimpfte auf eine Lehrerin, die ihre Schüler gewarnt hatte, Filme wie »Das Leben der anderen« als pure DDR-Wirklichkeit zu begreifen und forderte strengere Überprüfungen der Lehrbefähigung solcher Pädagogen.

In Großhennersdorf führte eine Jugendtheatergruppe das Stück »Wendepunkte« auf und ließ hoffen. Massiv zur DDR-Delegitimierung gedrängt, haben diese jungen Leute das eigenständige Denken noch nicht ganz aufgegeben. Nicht im Sinne der Veranstalter war es wohl, daß vereinzelte Damen im Publikum bei »Sag mir, wo du stehst« leise mitsangen.

Im »Regionalen Fenster« des Beiprogramms steuerten Arielle Kohlschmidt und René Beder den interessantesten Film bei. Ihre Dokumentation »Die Gewalt geht vom Gelde aus« führt in die Lausitzer Interessensphäre von Vattenfall. Gezeigt wird, mit welchen Methoden der Konzern Menschen dazu bringt, ihre Dörfer zu verlassen, damit die abgebaggert werden können. Wie wichtig es ist, sich nicht gefügig machen zu lassen, sondern Charakter zu zeigen, wurde im anschließenden Gespräch mit Bürgerinitiativen und Kommunalpolitikern deutlich.

http://www.jungewelt.de/2009/05-19/017.php?sstr=gewalt|gelde 


Der Film „Die Gewalt geht vom Gelde aus“ hat eine Chance vertan

Lausitzer Rundschau Weißwasser 19.05.2009

Schleife Der Film „Die Gewalt geht vom Gelde aus“ führt in Schleife und der Region zu geteilten Meinungen (die RUNDSCHAU berichtete). Nach der Premiere meldet sich Gemeinderat Wolfgang Goldstein zu Wort:

Leider fand Herr Beder für das von ihm angeführte Gespräch mit mir offensichtlich keinen geeigneten Platz in seinem Film „Die Gewalt geht vom Gelde aus“, oder vielleicht passte meine Sicht auf die schwierige und sehr sensible Thematik nicht in das Konzept, jedenfalls bedaure ich sehr, dass nach meiner Ansicht der Film dem formulierten Anspruch der Ausgewogenheit der Darstellungen nicht gerecht wurde.

Die Art wie - sowohl unsere Mitbürger als auch die aus Trebendorf - durch einige Kommentare dargestellt wurden, empfand ich persönlich als verletzend und was für mich noch schlimmer wiegt, auch dazu angetan, Unfrieden zwischen den Menschen, den sorbischen wie den deutschen, und den Dörfern in unserem Gemeinwesen zu stiften.

Denn so, wie in den entsprechenden Kommentaren pauschal den eventuell künftig Betroffenen, die ihre persönliche Lebensplanung an eine zeitnahe Umsiedlung knüpfen, Geldgier und Heimatmissachtung als Motivation unterstellt wurde, werden nun diese wiederum pauschal den „Umsiedlern“ dasselbe entgegen halten können.

Doch es gibt auf beiden Seiten auch diejenigen, die nicht vorschnell und vor allem auch nicht mit verletzenden Vergleichen über andere den Stab brechen.
Deshalb tut es mir eben leid, dass die direkt von der Umsiedlung betroffenen Bürger, die in dem Film immer wieder zu Wort kommen, so empfinde ich es jedenfalls, teilweise instrumentalisiert wurden, um eben nur eine mögliche Sicht als die einzig richtige darzustellen.

Ist es nicht etwas verwunderlich, dass dem Pfarrer unserer betroffenen Dörfer nur in wenigen, offensichtlich auch noch aus dem eigentlichen Kontext gerissenen Sätzen, geringere Zeit eingeräumt wird, als einem beruflich vielleicht nicht ganz uninteressiertem Anwalt?

Wäre es nicht hilfreicher und für alle Beteiligten von Nutzen gewesen, wenn der Film auch besonnenere Stimmen hätte zu Wort kommen lassen, die realistische Ziele für künftige Pläne auch ins Gespräch hätten bringen können, die die Wunden, die dieser Prozess schon geschlagen hat nicht erneut aufreißen und noch tiefer und schlimmer machen würden?

Bleibt zu hoffen, dass in den künftigen Kommunalvertretungen diese besonnenen Stimmen die Oberhand von
unseren Bürgern übertragen bekommen.

Ich hätte mir gewünscht, dass der Film eine Brücke zum gegenseitigen Verstehen zwischen den direkt Betroffenen und denen, die zwar nicht weg müssen, aber andererseits eben auch nicht weg können, geschlagen hätte.

Ich fand, diese Chance wurde leider nicht ergriffen, sie wurde vertan.


Reaktionen und Pressestimmen

auf den Dokumentarfilm “Die Gewalt geht vom Gelde aus”

PDF-Dokument

Stand: 26.9.2009



© 1998-2012 Turmvilla e.V.
Geschäftsstelle: Obermühle 15, 02957 Krauschwitz

Anbieterkennzeichnung

 

Nach oben

PDF