Heute ist der:  6. September 2010

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Frühling 07

Sommer 07

Herbst 07

Winter 07/08


Frühling 07

Frühlingsrollen Art des Hauses

Stell dir vor es ist Frühling und du bist bitterbettelarm. Stell dir vor es ist Frühling und du bist mutterseelenallein. Stell dir vor das ist schon seit vielen Jahren so und diese Frühlings ziehen an dir vorbei wie nach einer Explosion im Actionfilm. Das saust und pfeift und zischt nur so. Feuer, peng, krach, bumm. Du fragst dich was los ist. Und siehst aber: Gott seine Maschine läuft von ganz alleine. Jeden Tag, jedes Jahr, jedes Wetter & jedes Jahrhundert, etc. Und deine läuft überhaupt nicht. Du könntest dich weiter fragen, ob du selbst dran Schuld bist, oder ob du jemanden findest, dem du die Schuld geben kannst. Wär schon schön, wenn wenigstens irgendeiner Schuld wär - einer muss ja – an dieser verdammten alljährlichen Frühlingsmisere. Eine Winterdepression ist nichts dagegen. Andere streichen um diese Zeit ihre Dividenden ein und du fragst dich tränenüberströmt, ob deine alten Schuhe auch diese Saison noch durchstehen. Du fragst dich wer deine Beerdigung bezahlt. Und noch viel dringender fragst du dich, wer dein nächstes Bier übernimmt. Ob du vielleicht bei irgendjemanden noch irgend etwas gut hast. Oder ob du bei allen so tief in der Kreide stehst, dass du ihnen lieber nicht begegnest. Aber wer von uns sinkt schon so tief?? Hier in der gemütlichen kleinen, feinen Stadt?? Das geht doch nur den armen Idioten in Berlin so. Oder denen in Weißwasser?

 

Jetzt aber stell dir vor, du bist richtig schön reich und es geht dir deswegen nicht besser. Mit jedem Geld das du mehr ausgibst merkst du dass es (das schöne ausgedachte Leben) auch so keinen Zweck hat. Dass dir kein Arzt & kein Steuerberater mehr helfen kann. Dass dir noch viel weniger geholfen werden kann, als dem Mann der nur noch ein nächstes Bier braucht. Stell dir vor du bist einfach nur ein armes Schwein, dem nichts mehr einfällt. Kein Satz. Keine Antwort. Nichts. Und dabei könnte alles so schön sein. Gerade im Frühling. Wo die Säfte wieder sprießen. Wo die Augen wieder leuchten. Wo die Sonne dir das Fell wärmt. Und die Osterglocken bimmeln. Bing, bong.

Gerade das Schöne macht dich melancholisch. Gerade das. Dieses vielsagende Schöne, das von dem spricht was du nicht hast und du nicht bist. Gerade deswegen beleidigt das Schöne dich und mich. Und diese(s) grausige Schöne sieht durch dich hindurch. Als wärst du gar nicht da.

Gnädig bist du ignoriert. Eigentlich Glück für einen Pechvogel im Heer der Überflüssigen. Sorum gesehen.

Andere dagegen gehen aus. Schön im leichten Anzug und im flatternden Röckchen. Trallalla. Ihr wisst wohin. Genau hierher. Lernen beim Chefkoch kochen oder was über den wahren und wahrsten Reisedichter & Parkschöpfer. Oder gehen ins Kino und verplempern dort ihr Mitleid. Denn es ist Frühling. Und Gefühle sind jetzt billig.

 

In diesem Sinne.

Ihr Dr. Horst Blender


Sommer 07

Heißer Sommer, heißer Sommer...

Das war ein Lied von Frank Schöbel und Chris Doerk, die heute keiner mehr kennt. Aber einst, vor vielen vielen Jahren, da konnte es jeder mitsingen. Wir waren naiv und wussten es nicht.

Jetzt wird der Sommer wirklich heiß. Unwiderruflich. Wissenschaftlich und so. Selbstmordprogramm oder Irrtumskatstrophe, das ist hier die Frage. Die schon in dem schönen Film „Messer im Kopf“ gleich eingangs gestellt wurde. „Messer im Kopf“, von Reinhard Hauff, der auch Stammheim gemacht hat. „Messer im Kopf“, mit dem leider schon dahingeschiedenen Hans Christian Blech und Bruno Ganz, als er noch recht jung und noch lange nicht so berühmt war, wie jetzt als Eichingers Führer.

Den Film kennt keiner mehr. Es ging um die jungen Revolutionäre im Westen von einst. Die jetzt wieder in aller Munde sind. Ergraut nach 25 Jahren Knast und kurz vor der ersten Lehrstelle.

Fernsehen bildet, hieß es. Fernsehen verblödet heißt es. Doch wer in ein Kino geht, in ein so schönes Pogrammkino wie das an der Theke, z.B., der bekommt was für´s Leben. Kino ist unvergesslich. Das geht so weit, dass ich jetzt, wo ich wieder an den Film denke, endlich den Titel verstehe. Denn keiner hat da ein Messer im Kopf. Nur der Hauptheld eine Kugel, die er überlebt. „Schere im Kopf“ wäre zu billig. Kugel im Kopf haben wir ja gesehen. Und abgeschnitten werden musste dennoch was. Und wenn´s die eingangs gestellte Frage war. Inzwischen stellen wir sie uns. Aber welche stellen wir uns nicht?? 

Wir stellen die Uhr um. Zwei mal im Jahr. Allez hopp, wie man im Zirkus sagt, allez hopp. Wir schrauben uns die hässlichsten Energiesparlampen rein. Allez hopp. Bald rauchen wir nicht mehr in der Kneipe, sondern im dafür abgetrennten Karzer. Wovon wir uns zwei Tage nicht erholen und genau so lange danach stinken. Da ist der Esel, hier ist der Nasenring. Früher, auf den Reiterstandbildern, war das Volk wenigstens noch ein Pferd. So symbolisch gemeint. Kraftvoll oder diszipliniert, launisch oder stolz oder eitel oder alles beieinander, so wie sein Herr und Reiter. Heute..., wie gesagt. Die Leine und der Nasenring sind nicht zu sehen, aber die Fernsteuerung funktioniert. Und mit ihr die Angst, dass sie eines Tages nicht mehr so schön funktioniert. Selbstbewusstsein ist ja ganz schön. Aber was ist, wenn es das nicht ist?

Und was ist mit dem Fremd-Bewusstsein? Hallo? Ist da wer? Kriege ich noch was mit?? Eine Frage, die sich in diesem Zusammenhang förmlich aufdrängt. Machen wir ein Projekt daraus: „Fremde-Fremdsein“.

Machen wir ein Buch daraus: „Zeig mir wie du tanzt“ Jugendliche aus Polen und Deutschland erzählen aus ihrem heiter-besinnlichen Leben. Ein sehr schönes & äußerst interessantes Buch. Es erscheint am 1. Juni. Mit DVD. Hier bei uns in der Turmvilla.

Außerdem beginnt die Biergartensaison. Feste feiern, wie sie fallen: Obermühlenfest, Weinbau-Ausstellungs-Eröffnung, Trommelworkshop, Lagerfeuer, Skaprifischer, Kinderdisko  e.t.c., e.t.c.

 

Viel heiß!

Bloß kein Schultheiß!

Ihr Dr. Horst Blender


Herbst 07

Geplatzte Verabredungen

Waren früher mal ein Unding. Hörte man. Ich sage nur ein Mann ein Wort. Aber heute? Wer sich heute nicht an sein Wort halten will, behauptet morgen das Gegenteil.

Dieser ganze Krampf vom gegenseitigen Reinlegen. Je größer die Klappe, desto größere Ohrenstöpsel brauchst du. Jedenfalls dann, wenn du nicht mehr drüber lachen kannst. Schon der Fürst sagte seinerzeit (sinngemäß), als er Muskau verkaufte: „Du glaubst so lange an das gute im Menschen, bis endlich wieder einer kommt und dich vom Gegenteil überzeugt.“

Ein Mann bricht einen Vertrag, den er unterschrieben hat. Weil er´s nicht schafft. Ok. Ist zwar schlimm, aber vielleicht war er etwas voreilig. Oder er hat was ganz, ganz kleingedrucktes überlesen. Ok.ok. Sie werden ihn am Arsch haben. Keine Frage. Ein anderer Mann bricht seinen Vertrag und hat vorher ganz genau gewusst, dass er ihn brechen wird. Und der, der sein Vertragspartner war hat das zwar irgendwie geahnt, aber gedacht: Der Versuch isses wert. Jetzt kratzt er sich am grauen Kopp. Und fragt sich, ob er das wirklich wert war. Denn schließlich hatte er es ja geahnt. Vertrauen wider Willen. Aber er wollte schlauer sein als seine Ahnungen. Und er hatte keine Ahnung, dass seine Ahnungen von viel weiter her kamen als er – und viel mehr wussten, als er ahnte. Jetzt weiß er´s auch. Aber es kommt der Tag da werden ihm seine Ahnungen wieder so unbegründet vorkommen, dass er sich wieder fragen wird: Was geht’s mich an...die Ahnungen, die innere Stimme...alles Quatsch! Ran an die Bouletten! Neues Spiel, neues Glück.

Und Peng! Schnell überfrisst man sich an seinen Illusionen - und platzt.

Aber ok. Gegen Dummheit ist nun mal kein Kraut gewachsen. Kann man nichts machen. Es könnte alles so schön sein.

Aber richtig furchtbar wird’s bei diesen unausgesprochnen Sachen. Zwei sehen sich an und tun so, als würden sie dasselbe denken. Einer sagt was, du glaubst es und dann hat er es nie gesagt. Plötzlich. Der gab dir die Hand, sah dir in die Augen, lächelte, klopfte dir auf die Schulter. Dazu die Worte: „Wir beide, wir schaffen das.“ Dann stehste im Regen. Kannste verrückt werden. Ist aber auch normal, oder?

Manche nennen das Spiel. Überlebenspiel. Die finden das sportlich, kämpferisch, clever, modern usw. Kommt immer einer, der will schlauer sein.

Das waren ja mal so Sachen die sich eigentlich von selbst verboten, aber inzwischen keiner mehr davon weiß. „Auf Treu und Glauben.“ Da scheiß ich drauf, könnte einer sagen. Ich will´s mit Klauseln, Fristen und Papier, nebst einer klitzekleinen Hintertür. Und der wird wieder recht behalten. Oder?

Sieh mir in die Augen, kleiner Großer. Was dir ausdrücklich nicht verboten wird, das machst du. Egal ob sich´s gehört. Der Kampf geht weiter! Alle gegen alle. Manche nennen das Naturgesetz. Andere Rückschritt, Verfall der Sitten, Untergang des Abendlandes etc.

Bis keiner mehr weiß, worum es wirklich geht. Abgesehen vom kleinen eignen Vorteil.

In diesem und im andern Sinne ~ auf zum Stadtfest.

Ihr Dr. Horst Blender


Winter 07/08

Wem gehört die Welt?

Da sitzt man ahnungslos nachts im Auto hört ein bisschen weg, es kommen Nachrichten – und ich meine: Wer versteht schon den Lokführerstreik? Nennt man das Demut und Dankbarkeit? Die streiken, bis sie von den Leuten auf den Bahnsteigen erschlagen werden. Und die von der Bahn sagen: Das habt ihr nun davon. Je länger so ein Streik dauert, desto weniger Verbündete hat man natürlich. Und die von der Bahn sagen: Wir können nur mit einer Gewerkschaft richtig unseren Fahrplan erfüllen. Eure ist zu viel. Wer so ein Argument bringen kann, hat vielleicht Narrenfreiheit oder es ist was anderes faul. Aber Gott sei Dank bin ich ja Dorfi und demzufolge Automobilist. Also höre ich nicht richtig hin. Aber dann der Paukenschlag: Unser Freund George W. quatscht was vom 3. Weltkrieg. Von dem (WK III)haben wir ja lange nichts gehört. Da fragt man sich: Ist das wieder normal??

Und dann haben die vom Deutschlandradio ja so eine furchtbare Angewohnheit: Am Ende der Nachrichten wird alles noch einmal in Kurzfassung wiederholt. Auch diesmal. Und da dachte ich: Jetzt hören wir mal hin, ob das stimmt, was unser Freund George dort zu sagen hatte. Aber das konnten selbst die härtesten Redaktionellen nicht noch einmal hören.

Und ich sage euch, wie immer: Es kommt darauf an, was nicht gesagt wird, in diesem Falle: Wiederholt wird. Es gibt ja da so Bonmots: „Der 9.11. war wie der Reichstagsbrand und die Stimmenauszählung zur Präsidentenwahl wie die Machtergreifung.“ Wir erinnern uns?

Letztens traf ich eine Dame, noch ganz flott, die ihrerseits auch als Filmhistorikerin arbeitet, aber selbst Amerikanerin ist. Da frag ich die: 911 ist doch bei euch auch der Notruf. Ja, sagt sie. Und das haben die Amerikaner begriffen, frage ich weiter. Ja, natürlich haben das die Amerikaner begriffen, antwortet sie. Ich dachte, das hätt ich nicht gedacht. Also da hat das bei denen geklingelt, aber bis hierher hat es niemand gehört. Und da quatschen die vom 3. Weltkrieg und keiner kann’s verbieten. Da frage ich mich immer: Was ist nun mit einmischen? Bevor du den Arm gehoben oder die Klappe aufgerissen hast, trifft dich die Keule von hinten auf den Kopp. Sagt so ein Dorfi was, heißt es: Darum geht’s nicht. Ist doch alles ganz anders. So weiß der arme Dorfi schon gar nicht mehr wie oft er seinen Stall noch herumschliessen soll, weil bald wird ja die Grenze richtig aufgemacht. Hat der arme Dorfi Angst um seine Habe. Da sagt der eine Dorfi zum andern: Da musste über Mittag dein Rasenmäher reinstellen. Da weiß der andere Dorfi Bescheid. Die Wissenschaftler, die den gemeinen Dorfi so unter der Lupe haben, nennen das Persistenzverhalten. Da fragt man sich, ob es dagegen was in der Apotheke gibt. Denn die Diagnose lautet zu gut deutsch: Der gemeine Dorfi, gezählt zur Gattungsgruppe Ostprovinzler, der kommt nich mit – in die lichte, frohe Zukunft. Der ist so teilnahmslos, rückwärtsgewandt. Das klingt zwar irgendwie negativ, als wär er selbst dran Schuld, aber vielleicht ist er einfach nur verdammt skeptisch. So wie der gemeine Muskauer, der ja auch nicht glaubt, wie es bald losgeht.

Übrigens, hat jemand schon den Spendenaufruf für die neue Kita gesehen? Damit wir auf unsern Eigenanteil kommen? Wär doch mal was anderes. Spenden macht übrigens Spaß. Und: Geben ist seliger denn Nehmen.

 

In diesem Sinne.

Guten Rutsch!

Ihr Dr. Horst Blender



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